Berufliche Weiterbildung in Brandenburg

Banner Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz GmbH

Alles bleibt anders: Bildung für eine Lausitz im Wandel

Gabriele Witschorke und Norman Seifert (EEPL)
Gabriele Witschorke und Norman Seifert (EEPL)

Ein Lachen erklingt, dann folgt ein Moment nachdenklichen Schweigens, bevor es munter weitergeht: Gabriele Witschorke und Norman Seifert sitzen vor einem nüchternen Whiteboard mit ein paar bunten Stiften, aber die Atmosphäre ist alles andere als nüchtern. Sie spielen sich die Bälle gegenseitig perfekt zu und berichten von ihrem gemeinsamen Herzensprojekt, der Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz GmbH – kurz EEPL. Während der Projektmanager erst seit wenigen Jahren dabei ist, hat die Prokuristin die aufregenden Anfangsjahre erlebt. Gabriele Witschorkes Augen blitzen auf, wenn sie von ihrer spannenden Reise durch die vergangenen Jahrzehnte erzählt.

Von den Nachwendejahren bis heute

Ihre Reise beginnt 1996: Millionen Bürger in den ostdeutschen Bundesländern haben mit dem Systemwechsel ihren Arbeitsplatz und damit ihre Existenzgrundlage verloren. Es herrscht allgemeine Orientierungslosigkeit. Um in dieser Situation zu helfen, tritt eine Vielzahl von Arbeitsförderungsgesellschaften auf den Plan. Eine von ihnen ist EEPL. Gabriele Witschorke blickt zurück: „Es waren bewegte Zeiten, in denen wir mit viel Mut und Elan anpackten. Durch Bildung konnten wir den Menschen eine neue Perspektive geben.“ Doch die Zeiten ändern sich und im Laufe der Jahre verschiebt sich das Verhältnis: Heutzutage ist vielmehr die Arbeitgeberseite auf der Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern – wodurch sich Fachkräfte und Unternehmen nun in einer ganz anderen Position wiederfinden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen hat sich EEPL auf die veränderten Anforderungen eingestellt. Während die meisten der früheren Mitstreiter in der Arbeitsförderung inzwischen vom Markt verschwunden sind, ist EEPL mit etwa 40 Festangestellten, einem Hauptsitz in Finsterwalde und vier kleineren Nebenstandorten eine feste Größe in der Region geworden. Das erfolgreiche Mittelstandsunternehmen feiert im Jahr 2021 bereits sein 25-jähriges Jubiläum. Damit befinden wir uns wieder im Hier und Jetzt, in einem nüchternen Kursraum in Finsterwalde, an einem schönen Donnerstagmorgen im Mai. Gabriele Witschorke betont: „Ohne diesen Wandel von einer klassischen Arbeitsförderungsgesellschaft hin zu einem modernen Bildungsdienstleister, der die Fachkräfteentwicklung in den Unternehmen unterstützt, hat man hier keine Chance.“

Die Entwicklungsgesellschaft Energiepark Lausitz (EEPL) GmbH

Der Arbeitsschwerpunkt der Projektentwicklungsgesellschaft mit Hauptsitz in Finsterwalde und vier weiteren Standorte in Massen, Herzberg, Bad Liebenwerda und Elsterwerda liegt in der Metall- und Elektroindustrie Südbrandenburgs. Als Dienstleister für Unternehmen, Institutionen, Kommunen, Vereine, Verbände und Bürger begleitet EEPL zahlreiche Projekte entlang sämtlicher Bildungsketten im Berufsleben – von der Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler über die Fachkräftesicherung durch Weiterbildung bis hin zur Integration von Langzeitarbeitslosen. Dabei arbeitet EEPL mit unterschiedlichsten Fördermittelgebern von der Landes- bis zur EU-Ebene zusammen. Einen Überblick über alle aktuellen Kurse bietet das WDB Suchportal für Weiterbildung in Berlin und Brandenburg.

Nicht im Fokus - und doch erfolgreich

Doch „hier“ – wo ist das eigentlich? Das Lausitzer Braunkohlerevier befindet sich derzeit mitten im Strukturwandel und definiert sich neu. Die Gegend ist durch den Tagebau geprägt und ländlich; die verhältnismäßig wenigen Einwohner leben eher verstreut in der Fläche. Das ist eine Herausforderung für Bildungsanbieter: Die Anfahrtswege sind lang und es ist schwierig, ausreichend viele Teilnehmende für einen Kurs zu finden. Fachpersonal für die Lehre ist ebenfalls nicht leicht zu gewinnen. Der Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang des Jahres 2020 erschwert die Arbeit zusätzlich. Zudem hält der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung hier im Vergleich zur Großstadt Berlin langsamer Einzug.

In dieser Lage zeigt EEPL, dass eine erfolgreiche Arbeit auch in peripheren Regionen möglich ist. Indem der Bildungsdienstleister flexibel auf diese Situation reagiert, erschließen sich neue Wege. Wenn eine Spezialisierung auf eine spezielle Branche oder Zielgruppe mangels Nachfrage nicht möglich ist, wird das Kursangebot entsprechend angepasst: Die Zielgruppe von EEPL ist breit gefasst und entsprechend der regionalen Wirtschaftsstruktur liegt der Fokus auf dem gewerblich-technischen Bereich und der Metallbranche, beispielsweise mit den Angeboten zur Verbundausbildung oder einer modularen Ausbildung zum Industriefertiger Metall.

Digitaler Neustart mit dem BIG-Digital

Ein Teil des Erfolgsrezeptes ist die Offenheit gegenüber Neuem: Die Digitalisierung wird nicht als Gefahr begriffen, sondern auf allen Ebenen als Chance. EEPL reichert nicht nur Bildungsangebote mit digitalen Inhalten an, sondern investiert langfristig sowohl in die eigene digitale Infrastruktur als auch in das Know-how der Beschäftigten. In den vergangenen Jahren hat sich die Belegschaft deutlich verjüngt. Gabriele Witschorke ist überzeugt: „Man braucht im Unternehmen Leute, die technikaffin sind, vordenken und Impulse geben – ohne dem geht’s nicht.“ Zu diesen neueren Kolleginnen und Kollegen zählt ebenfalls Norman Seifert mit seinem breiten IT-Fachwissen.

Doch größere Investitionen in die digitale Infrastruktur sind nicht mal eben nebenher gemacht. Unterstützung in der Finanzierung ist wertvoll, und so nutzt EEPL bereits Monate vor der Corona-Krise eine hilfreiche Fördermöglichkeit des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg für mittelständische Unternehmen: Den Brandenburgischen Innovationsgutschein - BIG-Digital. Norman Seifert ist in diesem Projekt federführend und hält sämtliche Fäden in der Hand. Er weiß schon genau, welche Technik benötigt wird.

Der entscheidende Hinweis auf die Förderung kommt von Torsten Maerksch, dem stellvertretenden Teamleiter vom Team Regionalcenter und Leiter des Regionalcenters Süd-Brandenburg der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) in Cottbus, das für die Erstberatung verantwortlich ist. In der Beratung wird geklärt, was benötigt wird und gefördert werden kann. Norman Seifert erinnert sich zurück: „So eine tolle Betreuung bei der Antragstellung erlebt man selten. Das war wirklich eine sehr angenehme Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“ Auch Torsten Maerksch ist beeindruckt, wie viele Unternehmen sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen und damit ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit verbessern. „Dass wir da mit dem BIG-Digital ein maßgeschneidertes Förderangebot des Landes anbieten können, schafft eine klassische Win-Win-Situation. Denn dadurch profitieren alle: das Unternehmen, die Beschäftigten und der Standort.“

BIG-Digital: Den digitalen Wandel in Bildungsunternehmen gestalten

Mit dem Brandenburgischen Innovationsgutschein - BIG-Digital für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden auch Bildungsdienstleister bei der Digitalisierung ihrer betrieblichen Prozesse unterstützt. Die Förderung erfolgt teilweise über projektbezogene Zuschüsse aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung in Höhe von bis zu 50 Prozent des Projektvolumens für die drei Module „Beratung“, „Implementierung“ und „Schulung“, die je nach Bedarf auch einzeln beantragt werden können. Einige Praxisbeispiele geben Ihnen Inspiration für die konkrete Nutzung der Fördermodule – z. B. können Sie sich zu passenden Online-Tools, Lernmanagement- oder Videokonferenzsystemen beraten lassen.

So einfach geht‘s: Im zuständigen Regionalcenter der WFBB anrufen, Bedarf schildern und klären, was hinsichtlich der Projektidee die nächsten Schritte sein könnten.

Gewappnet für neue Herausforderungen

Nachdem der Antrag bei der Bewilligungsstelle - der Investitionsbank des Landes Brandenburg -eingereicht ist, geht es im Juni 2020 los: Innerhalb von drei Monaten macht Norman Seifert dem Namen des Fördermoduls – „Implementierung“ – alle Ehre und führt im Betrieb zielstrebig neue, digitale Prozesse ein. Dabei lässt er sich auch nicht von großen Steinbrocken abschrecken, die ihm in den Weg gelegt werden. So kann coronabedingt die Hardware nicht rechtzeitig angeliefert werden. Angesichts der wochenlangen Verzögerung steckt er aber nicht den Kopf in den Sand, sondern sucht nach Lösungen. Mithilfe eines Partners werden die beiden neuen Server vorab aufgesetzt, sodass sie nach der Lieferung nur noch gespiegelt werden müssen. Am Ende hat EEPL einen Dateiserver für interne Geschäftsprozesse sowie einen Bildungsserver, über den digitale Lernangebote realisiert werden.

Als die Pandemie ausbricht und Kurse vor Ort nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt möglich sind, ist EEPL mit der neuen Technik gut darauf vorbereitet. Inzwischen ist Online-Unterricht in digitalen Klassenräumen zum Alltag geworden. Gabriele Witschorke bemerkt: „Wir sind sehr zufrieden mit den Projektergebnissen und froh darüber, dass wir die Plattform genau jetzt haben. Deshalb haben wir den BIG-Digital in unserem Netzwerk weiterempfohlen.“

Die Zukunft fest im Blick

Ein Schlüssel für die weitere erfolgreiche Arbeit bleibt die enge Vernetzung, ist sich Gabriele Witschorke sicher: „Die Atmosphäre in unserer Region ist gut. Alle ziehen an einem Strang und verfolgen das gemeinsame Ziel, die Lausitz als lebenswerte Region noch attraktiver zu machen.“ Mit einem Unternehmerstammtisch geht EEPL aktiv auf Betriebe zu und kann Bildungsangebote direkt auf ihre Praxisanforderungen zuschneiden. Zudem kooperiert EEPL mit vier anderen regionalen Bildungsdienstleistern, beispielsweise um einen gemeinsamen Dozentenpool zu nutzen oder ortsübergreifende Bildungsmaßnahmen zu entwickeln.

Doch welche Visionen hat EEPL für die Zukunft? Norman Seifert hat eine konkrete Vorstellung davon: „Die digitalen Möglichkeiten sollten noch besser in das lebenslange berufliche Lernen integriert werden. Darüber hinaus wollen wir Menschen unabhängig von ihrem Alter dabei helfen, neue berufliche Wege einzuschlagen: Wir möchten unseren Beitrag dazu leisten, digitale Grundbildung zu fördern und das Bildungssystem insgesamt durchlässiger zu gestalten.“

Schließlich bringt es Gabriele Witschorke auf den Punkt: „Nur eines bleibt beständig: Der Wandel. Es ist schön, wenn man merkt, dass man nicht abgehängt wird von der wirtschaftlichen Entwicklung – und dass man sich auch nicht selbst abhängt. Man muss einfach immer dranbleiben. Es macht uns Spaß, wenn ein Projekt in Richtung Zukunft geht! Denn wir wollen hier in der Lausitz nicht als die Ewiggestrigen wahrgenommen werden.“

71

Personen, die jetzt mit Ihnen
diese Website besuchen.

-