Berufliche Weiterbildung in Brandenburg

Durchbeißen lohnt sich!

Aufstiegsstipendiatin Caroline Düring
Caroline Düring (Foto: Privat)

Oft wird gesagt, dass sich Frauen entscheiden müssen zwischen Kind und Karriere. Caroline Düring hat sich entschieden: für ihre Familie und ihren beruflichen Aufstieg. Die 32-jährige gelernte Zahnmedizinische Fachangestellte hat eine sechsjährige Tochter und studiert neben einem Vollzeitjob berufsbegleitend Medizinpädagogik.

Brandenburg an der Havel, Mittwochabend 18 Uhr: Einsatzplanung mit dem Ehemann und den Eltern in deren Wohnung. Wer holt die Tochter von der Grundschule ab? Ist die Betreuung bis zum Schlafengehen gesichert? Morgen beginnt für Caroline Düring ein neuer fünftägiger Studienblock. Von Donnerstag bis Montag dreht sich nun jeweils von 9.00 bis 18.00 Uhr alles um Didaktik, Anatomie, Psychologie und andere spannende Fächer. Einmal pro Monat taucht sie an der privaten Hochschule MSB Medical School Berlin in eine neue Welt ein.

Der Alltag ist ein Kraftakt und komplett durchgetaktet. Wenn sie nicht zum Studieren in Berlin ist, arbeitet Caroline Düring in Vollzeit als Seiteneinsteigerin an einer Grundschule in Brandenburg an der Havel. Nach der Arbeit holt sie ihre Tochter von der Schule ab und verbringt nachmittags Zeit mit ihr. Nach dem Abendbrot, wenn das Kind im Bett ist, geht es noch einmal los mit der Arbeit. Sie bereitet den Schulunterricht vor und lernt für ihre Prüfungen im Studium. Alles muss strikt geplant und komprimiert abgearbeitet werden. An Freizeit – einfach mal die Seele baumeln lassen – ist kaum zu denken. Aber sie weiß, wofür sie das macht. Trotz aller Hürden verfolgt sie ihren Traum, Grundschullehrerin zu werden.

Unerfüllte Hoffnungen in der Zahnmedizin

Ursprünglich hatte die gebürtige Brandenburgerin den Wunsch, Zahnärztin zu werden. Schulpraktika absolvierte sie stets beim örtlichen Zahnarzt. Doch das Abitur zu machen, sei in ihrer Sturm-und-Drang-Phase keine Option gewesen, sagt sie: „In der 10. Klasse hatte ich keine Lust auf das Abitur. Ich dachte, dass ich ja einfach die Assistentin des Arztes sein könnte.“ Die Eltern raten ihr nach der Mittleren Reife mit 16 Jahren zu einer Ausbildung als Krankenschwester, die sie bald darauf abbricht. „Ich war zu jung und wollte eigentlich etwas anderes machen“, erklärt Caroline Düring.

Die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten absolviert sie im Jahr 2007 mit Bravour und wird anschließend als Assistenz im Sprechzimmer fest in der Ausbildungspraxis angestellt. Schnell erkennt der Chef ihr Potenzial und finanziert ihre fast 9-monatige Aufstiegsfortbildung zur Zahnmedizinischen Verwaltungsassistentin vollständig. Die Fortbildung läuft berufsbegleitend und problemlos, immer nachmittags am Freitag und Samstag im Philipp-Pfaff-Institut der Landeszahnärztekammern Berlin und Brandenburg. 2011 ist es so weit: Sie kann ihren Arbeitsplatz wechseln und arbeitet nun zusammen mit einer Kollegin an der Rezeption im Praxismanagement – mit der Perspektive, die Stelle der Kollegin zu übernehmen, wenn sie in Rente geht.

Aufstiegsfortbildung

Eine Aufstiegsfortbildung ist laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) ein längerer Lehrgang, der die berufliche Handlungsfähigkeit erweitern und durch den Erwerb höherer beruflicher Qualifikationen einen beruflichen Aufstieg ermöglichen soll. Damit wird auf die Wahrnehmung von Funktionen mit einem deutlich erweiterten Verantwortungsbereich vorbereitet. Fortbildungsabschlüsse sind z. B. Meister/in, Fachwirt/in, Techniker/in, Erzieher/in oder Betriebswirt/in. Für solche Fortbildungsprüfungen werden in der Regel ein Berufsabschluss und Berufspraxis vorausgesetzt. Die Teilnahme an beruflichen Aufstiegsfortbildungen kann mit Aufstiegs-BAföG finanziell gefördert werden.

„Doch dann kam alles anders als gedacht“, sagt sie im Rückblick. Ihre innovativen Ideen zur Verbesserung der Arbeitsabläufe in der Praxis stoßen beim Chef auf Widerstand. Sie schildert: „Leider konnte ich mein neu erworbenes fachliches Wissen nicht anwenden. Ich hatte Flügel, konnte sie aber nicht einsetzen.“ Sie wird schwanger, bekommt ihre Tochter und kehrt 2014 nach Beschäftigungsverbot und Elternzeit in den Beruf zurück. Die Situation verbessert sich nicht: „Meine Arbeit wurde nicht ausreichend wertgeschätzt und honoriert. Außerdem stimmte die Chemie nicht mehr. Damals hatte ich die Azubis angeleitet. Ich hatte den Wunsch, daraus mehr zu machen und als Mentorin tätig zu sein. Meine Schwägerin ist Medizinpädagogin und brachte mich auf die Idee für das Studium.“

Der Sprung ins kalte Wasser

Caroline Düring beginnt, im Internet nach staatlich anerkannten Hochschulen mit diesem Studiengang zu recherchieren und entdeckt die private Hochschule in Berlin. Mit ihrem Fortbildungsabschluss hat sie die Hochschulzugangsberechtigung in der Tasche, auch ohne Abitur. Seit Oktober 2018 studiert sie dort berufsbegleitend im Bachelorstudium Medizinpädagogik. Sie betont: „Ein Vollzeitstudium kam aus finanziellen Gründen für mich nicht infrage. Ich hatte mir mit Wohnung und Familie einen Standard erarbeitet, auf den ich nicht verzichten konnte. Und ein Stipendium kann kein Monatsgehalt ersetzen.“ Woher sollte das Geld für den Lebensunterhalt und die Studiengebühren also kommen? Auf Umwegen hat sie ihre jetzige Anstellung gefunden: Seit November 2018 arbeitet sie in Vollzeit als Seiteneinsteigerin an der Grundschule. Dank dieses Jobs kann sie sogar die Studienzeit von neun auf acht Semester verkürzen, denn ihre Arbeit kann als Praxisphase im Studium angerechnet werden.

Eine wichtige finanzielle Unterstützung ist darüber hinaus das Aufstiegsstipendium. Monatlich wird Caroline Düring mit 200 Euro gefördert. Das Stipendium unterstützt besonders engagierte und talentierte Fachkräfte mit Berufsausbildung und Praxiserfahrung bei ihrem ersten Hochschulstudium. Für Caroline Düring ist es ideal: „Ich finde es super, dass ich das Geld nicht zurückzahlen muss und dass keine über das Studium hinausgehenden Pflichten mit dem Stipendium verbunden sind. Das könnte ich mit meinem stressigen Alltag gar nicht leisten.“

Studium ohne Abitur

Laut aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2017 gibt es in Deutschland ca. 60.000 Studierende ohne Abitur, die sich beruflich dafür qualifiziert haben. Das entspricht einem Anteil von rund zwei Prozent aller Studierenden.

Je nach Berufsabschluss und Berufserfahrung gibt es bundesweit unterschiedliche Möglichkeiten, ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife zu studieren. Welche Wege Ihnen gemäß Ihrer Qualifikationen offenstehen, verrät der QualifizierungsCheck des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE).

Auf Umwegen zum Ziel

Ihre 14-jährige Berufserfahrung hilft ihr als Lehrerin im Quereinstieg für Naturwissenschaften, Mathe, Deutsch und Sachunterricht gerade an vielen Stellen weiter: „Ich bringe eine gute Menschenkenntnis mit, habe oft eine andere Herangehensweise und bin gelassener.“ Wenn sie von der Arbeit an der Grundschule erzählt, ist ihre Begeisterung spürbar: „Das ist nicht nur ein Broterwerb für mich, sondern ein Glücksgriff und mein berufliches Ziel. Wenn ich nach dem Bachelor- noch den Masterabschluss im Lehramtsstudiengang Medizinpädagogik geschafft habe, möchte ich unbefristet als Lehrerin an der Grundschule bleiben.“

Der pädagogische Teil ihres Studiums wird ihr diesen Weg ermöglichen: „Um die Anerkennung für das Grundschullehramt zu bekommen, muss ich viel nachfragen und kämpfen. Mir werden von der Bürokratie oft Steine in den Weg gelegt. Aber mit der großen Unterstützung, die ich von meinen Hochschuldozenten, meinen Kollegen an der Schule und meiner Familie erhalte, wird es klappen!“

Im Alltag alles unter einen Hut zu kriegen, ist für Caroline Düring ein organisatorisches Kunststück: „Nur mit diesem Studienmodell, dem Stipendium und dem Rückhalt meiner Familie ist das Studium neben Job und Kind überhaupt möglich. Ich könnte nicht jeden Tag nach der Arbeit noch zur Hochschule fahren. Denn eines ist klar: Das Kind darf nicht darunter leiden. Das ginge gar nicht!“

Was würde sie anderen Menschen raten, die ohne Abitur studieren wollen? Ihre Antwort ist eindeutig: „Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Man muss es wirklich wollen und an sich selbst glauben. Und ohne Durchhaltevermögen und Fleiß geht es auch nicht. Meine Hand hat gezittert, als ich den Vertrag an der Hochschule unterzeichnet habe. Aber danach wusste ich: Jetzt schaffe ich das.“

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