Berufliche Weiterbildung in Brandenburg

Duales und berufsbegleitendes Studium: vielversprechend, aber auch stressig

Freitag, 02. November 2018 | Kategorie: Studien zur beruflichen Weiterbildung, Ausbildung

Immer mehr Studierende verbinden das Studium mit einer Ausbildung oder dem Beruf. Mit welcher Motivation eine solche flexible Studienform gewählt wird und vor welchen Herausforderungen Studierende stehen, untersuchten Dr. Sigrun Nickel und Nicole Schulz vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) sowie Vitus Püttmann von der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Aus der Mitte Oktober 2018 veröffentlichten, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie „Trends im berufsbegleitenden und dualen Studium. Vergleichende Analysen zur Lernsituation von Studierenden und Studiengangsgestaltung“ geht hervor, dass duales und berufsbegleitendes Studium für viele attraktiv sind, aber auch eine hohe Belastung mit sich bringen. Die Ergebnisse basieren unter anderem auf einer Befragung von Studierenden.

Die Befragten schätzten insbesondere die Verzahnung von Theorie und Praxis und erwarteten bessere Einstiegs- oder Aufstiegsmöglichkeiten. Allerdings wurde die Doppelbelastung aufgrund der Kombination von Hochschulstudium und praktischer Arbeit im Betrieb oft als anstrengend empfunden. Es bleibe deutlich weniger Freizeit und ein Gefühl der Erschöpfung sei weit verbreitet. Vor allem berufsbegleitend Studierende berichteten von einer besonderen Belastung. Diese sei laut Autor/innen darauf zurückzuführen, dass berufsbegleitend Studierende eher auf sich allein gestellt sind, während dual Studierende durch ihr Präsenzstudium stärker in ihrer Hochschule eingebunden sind. Jedoch sei die Quote derjenigen, die ihre Hochschulausbildung vorzeitig abbrechen, weder im berufsbegleitenden noch im dualen Studium höher als bei anderen Studierenden.

Aus Sicht der Befragten könnte die Belastung unter anderem dadurch verringert werden, dass die Hochschulen beruflich erworbene Kompetenzen stärker als bisher anerkennen. So könnten die Studienzeit verkürzt und Kosten im berufsbegleitenden Studium verringert werden. Als problematisch sehen die Autor/innen die rechtliche Absicherung von dual Studierenden an: Im Rahmen von praxisintegrierenden Studiengängen erhielten Studierende meist lediglich einen Vertrag als Praktikant/in oder Werkstudent/in. Damit seien sie im Betrieb schlechter gestellt als andere Beschäftigte oder Auszubildende. Zudem könne ein Abhängigkeitsverhältnis entstehen, denn sie müssten sich mitunter dazu verpflichten, eine gewisse Zeit nach dem Studienabschluss im Unternehmen zu bleiben. Oft müssten sie auch einwilligen, Studiengebühren und andere finanzielle Aufwendungen abzuarbeiten, damit sich die Investition für den/die Arbeitgeber/in auszahlt.

Im Rahmen der Untersuchung wurden von August bis September 2015 insgesamt 40 berufsbegleitend und dual studierende Stipendiat/innen der der Hans-Böckler-Stiftung befragt. Auf den Webseiten der Hans-Böckler-Stiftung steht die Studie zum kostenfreien Download zu Verfügung.

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